Im Rahmen des Erasmus+ Programms hatte ich vom 13.04.2026 bis zum 17.04.2026 die Gelegenheit, an der staatlichen spanischen Schule „IES Miraflores de los Angeles“ in Malaga zu hospitieren . Neben der Hospitation im Unterricht diente der Aufenthalt zugleich als vorbereitender Besuch für eine zukünftige Gruppenmobilität mit unseren Schülerinnen und Schülern.
Die Schule umfasst etwa 540 Schülerinnen und Schüler sowie ein Kollegium von 52 Lehrkräften. Der Sekundarbereich I beinhaltet die Klassenstufen 7 bis 10 (ESO 1° – ESO 4°), die entsprechend ihrer Leistungen in differenzierte Kurse (A, B und C) eingeteilt werden. Der Sekundarbereich II (BACHO 1° und BACHO 2°) entspricht den Klassenstufen 11 und 12 und führt zum Abitur. Darüber hinaus gibt es eine Klasse mit etwa 15 körperlich und geistig beeinträchtigten Schülerinnen und Schülern, die in einem festen Klassenraum individuell gefördert werden.
Während meines Aufenthalts konnte ich vielfältige Einblicke in den Unterricht gewinnen, insbesondere in meinen Fächern Englisch und Sport. Darüber hinaus hatte ich die Möglichkeit, Wahlfächer wie „Cultura Flamenca“ (Flamenco-Kultur) sowie „Taller de Prensa y Radio“ (Presse- und Radiowerkstatt) kennenzulernen. Diese Angebote zeigen die praxisorientierte und kulturell verankerte Ausrichtung des spanischen Bildungssystems.
Der Schultag beginnt um 8:15 Uhr und endet um 14:45 Uhr. Eine Unterrichtsstunde dauert 60 Minuten. Nach drei Stunden gibt es eine 30-minütige Pause, bevor der Unterricht für weitere drei Stunden fortgesetzt wird. Auffällig ist die kontinuierliche Aufsicht: Lehrkräfte bleiben so lange in der Klasse, bis sie von der nächsten Lehrkraft abgelöst werden. Ergänzend dazu übernehmen sogenannte „Guardias“ Aufsichtsfunktionen auf den Fluren und sorgen dafür, dass sich keine Schülerinnen und Schüler unerlaubt außerhalb der Klassenräume aufhalten.
Das Stundendeputat der Lehrkräfte beträgt maximal 18 Unterrichtsstunden pro Woche. Zusätzlich verbringen sie sechs weitere Stunden in der Schule für Vertretungen, Aufsichten, Elterngespräche sowie Vor- und Nachbereitung des Unterrichts. Die Schule ist technisch gut ausgestattet mit Tafeln, Whiteboards, iPads und Computern. Bemerkenswert ist jedoch, dass der Vertretungsplan weiterhin händisch im Lehrerzimmer geführt wird.
Es wurde festgestellt, dass sich die Lesefertigkeit und das Leseverständnis der Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Jahren verschlechtert haben und Spanien im internationalen Vergleich nicht mehr das Niveau von vor etwa 20 Jahren erreicht. Als Reaktion darauf hat das Bildungsministerium eine verbindliche Maßnahme eingeführt, die insbesondere die Klassenstufen 7 und 8 betrifft. In der betreffenden Schulwoche bedeutete dies konkret, dass die Schülerinnen und Schüler von Montag bis Freitag jeweils in den ersten 30 Minuten der ersten Unterrichtsstunde einer verpflichtenden Lesephase nachgingen, bevor der reguläre Fachunterricht begann. Diese Regelung galt ausnahmslos für alle Fächer. So wurde beispielsweise auch im Sportunterricht zunächst im Klassenraum gelesen. Die Lektüren wurden verteilt und jede Schülerin bzw. jeder Schüler las ein bis zwei Seiten. Erst im Anschluss wurde der Unterricht in der Sporthalle fortgesetzt. Um eine gleichmäßige Verteilung auf alle Fächer zu gewährleisten, wird diese Lesephase in den folgenden Wochen jeweils in die nächste Unterrichtsstunde verlegt, sodass nicht immer die gleichen Stunden betroffen sind.
Besonders hervorzuheben ist das strikte Handyverbot an der Schule. Dieses hat laut Aussagen der Lehrkräfte zu einer verbesserten Konzentration, einem Rückgang von Cybermobbing sowie zu einem insgesamt sozialeren Miteinander geführt. Auch ich konnte beobachten, dass die Schülerinnen und Schüler im Umgang miteinander sowie gegenüber den Lehrkräften ruhig und respektvoll auftreten.
Nennenswert ist das digitale Klassen- und Notenbuch. Lehrkräfte erfassen dort die Leistungen der Schülerinnen und Schüler direkt über ein iPad. Die Schülerinnen und Schüler sind mit Namen und Passfoto hinterlegt, was eine schnelle Zuordnung erleichtert. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 der besten Note entspricht. Die Einträge werden automatisch zu einer Gesamtnote für die Mitarbeit verrechnet.
Abschließend lässt sich festhalten, dass der Aufenthalt an der Schule sowohl fachlich als auch persönlich bereichernd war. Das Kollegium zeigte sich durchweg offen, freundlich und hilfsbereit. Die Erasmus+-Koordinatorinnen Maite und Chani unterstützten den Austausch engagiert und erklärten sich bereit eine zukünftige Gruppenmobilität unserer Schülerinnen und Schüler in Malaga zu ermöglichen und uns vor Ort zu empfangen. Damit ist eine gute Basis für eine weitere Zusammenarbeit entstanden.
Cigdem Güven







