Vom 22.06. bis 24.06.2026 haben wir, die Klasse 9s, im Rahmen von drei Projekttagen eine Geschichtsexkursion nach Nürnberg und Dachau unternommen.
Im Unterricht hatten wir uns schon mit der NS-Zeit beschäftigt. Doch vor Ort zu sehen, wie das Regime eine perfekte Fassade (den „Schein”) aufbaute, während im Hintergrund brutaler Terror (die „Realität”) herrschte, war eine ganz andere Erfahrung.
Tag 1: Mainz – Nürnberg: Die Inszenierung der Macht
Unsere Reise begann am frühen Morgen des 22. Juni am Hauptbahnhof in Mainz. Die Zugfahrt nach Nürnberg verging wie im Flug und wir nutzten die gemeinsame Zeit im Abteil zum Quatschen, zum Frühstücken und für erste Notizen. In Nürnberg angekommen, ging es direkt zu unserer ersten Station, der ehemaligen „Stadt der Reichsparteitage”.
Als wir über das riesige Reichsparteitagsgelände liefen und auf der Zeppelintribüne standen, wurde uns schnell mulmig. Die gigantischen Ausmaße der Bauten waren genau darauf ausgelegt, dass man sich als Einzelner klein und unbedeutend fühlt. Im Dokumentationszentrum haben wir gelernt, wie die Nationalsozialisten mit Lichteffekten, Massenaufmärschen und moderner Technik die Menschen manipuliert haben. Uns wurde klar, wie perfekt dieser „Schein” inszeniert war, um die Grausamkeit des Systems zu verdecken. Übernachtet haben wir mitten in der Nürnberger Altstadt in der Jugendherberge auf der Kaiserburg. Aus den Fenstern der alten Burgmauern hatten wir einen genialen Blick über die Stadt. Die modernen Zimmer in dieser historischen Kulisse waren perfekt, um am Abend zusammenzusitzen und die vielen Eindrücke des Tages gemeinsam zu besprechen.

Tag 2: Nürnberg – Dachau – Mainz: Die grausame Realität
Nach dem Frühstück in der Burg ging es wieder zum Bahnhof. Die nächste Bahnfahrt brachte uns nach Dachau. Der anschließende Besuch der KZ-Gedenkstätte zeigte uns ungeschönt, worauf der „schöne Schein” aus Nürnberg in Wahrheit aufgebaut war. Dachau war das
erste dauerhafte Konzentrationslager und diente als Prototyp für das gesamte Terrorsystem. Als wir durch das historische Jourhaus mit der zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei” gingen und auf dem riesigen Appellplatz standen, herrschte in unserer Klasse absolute Stille. Die Vorstellung, dass Häftlinge hier stundenlang bei jeder Witterung strammstehen mussten und schikaniert wurden, war für uns schmerzhaft greifbar. Beim Rundgang durch die rekonstruierten Baracken sahen wir die Enge, in die die Menschen leben mussten. Hunger, Krankheiten und medizinische Versuche prägten hier den Alltag. Der anschließende Gang zum Krematorium und zu den Gaskammern hinterließ bei uns allen eine tiefe
Betroffenheit. Hier endete die NS-Ideologie in der Realität der systematischen Vernichtung.
Vollgepackt mit emotionalen Eindrücken traten wir am späten Nachmittag von Dachau aus die Heimreise mit dem Zug an. Auf der Rückfahrt nach Mainz war es im Zug deutlich ruhiger als auf dem Hinweg, jeder von uns musste das Gesehene erst einmal verarbeiten.

Tag 3: Aufarbeitung und Ausstellung für die Schule
Am Projekttag an unserer Schule trugen wir in Kleingruppen unsere Eindrücke und Erfahrungen zusammen und stellten diese im Rahmen einer kleinen Ausstellung für die Schulgemeinschaft dar. So konnten wir das Erlebte einmal in unterschiedlicher Art und Weise verarbeiten. Diese drei Projekttage haben uns als Klasse bewegt und uns ist klar geworden, wie wichtig es ist, hinter die Fassaden von politischer Propaganda und Inszenierung zu blicken. Die Exkursion und das Gestalten der Ausstellung haben uns gezeigt, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist. Wir müssen unsere Demokratie aktiv verteidigen und dürfen niemals wegschauen, wenn Menschen ausgegrenzt werden.



